Philosophisches Seminar, Universität zu Köln
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Husserls Nachlass

Edmund Husserl (1859-1938) ist der Begründer der Phänomenologie, die eine der bedeutendsten Richtungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts geworden ist. Husserl wurde wegen seiner jüdischen Abstammung im "Dritten Reich" verfolgt und die Phänomenologie infolgedessen durch Vernichtung der Schriften und durch die Verfolgung von Husserls Schülern in die Emigration getrieben.

Da nach Husserls Tod (27. 4. 1938) für seinen philosophischen Nachlaß in dem von den Nationalsozialisten regierten Deutschland keine Möglichkeiten der Bearbeitung und Veröffentlichung bestanden und diesem sogar die Zerstörung drohte, wurde er noch im selben Jahr nach Leuven (Belgien) gebracht. Das Verdienst für diese Rettung des Nachlasses kommt vor allem dem Franziskanerpater Hermann Leo Van Breda zu. [1] Unter seiner Leitung und der Mithilfe von Husserls Witwe sowie seiner Assistenten Eugen Fink und Ludwig Landgrebe wurde in Leuven das Husserl-Archiv aufgebaut.

Das Husserl-Archiv der Universität zu Köln wurde am 27. 8. 1951 mit einem Grundlagenvertrag zwischen dem Husserl-Archiv in Leuven (Belgien) und der Philosophischen Fakultät der Kölner Universität gegründet. Seine Hauptaufgabe besteht darin, in enger Kooperation mit dem zentralen Husserl-Archiv in Leuven an der 1950 begonnenen textkritischen Edition von Husserls Werken und seinen nachgelassenen Forschungsmanuskripten in der Reihe "Husserliana" eigenständig und verantwortlich mitzuwirken.

Die Phänomenologie gehört heute in allen Ländern der Erde zum Kanon der Philosophie und hat sich vor allem in Frankreich, den Vereinigten Staaten, Lateinamerika und Japan eindrucksvoll entwickelt. Es gibt heute weltweit mehr als 80 Gesellschaften und Organisationen, die sich der phänomenologischen Forschung verpflichtet sehen (vgl. Center for Advanced Research in Phenomenology, Organization of Phenomenological Organizations). In Deutschland ist die Rezeption ebenfalls beeindruckend, wie die Konferenzen der "Deutschen Gesellschaft für Phänomenologie" zeigen.

Husserls Nachlaß ist nach folgendem Plan geordnet, den Husserls Assistenten Eugen Fink und Ludwig Landgrebe im März 1935 entworfen hatten [2]. Eine Liste der bereits veröffentlichten Manuskripte finden Sie » hier. Eine Liste mit detaillierten Aufschriften Husserls (als Inhaltsangaben der Manuskripte), das sog. "Identitäts-Verzeichnis", finden Sie auf der Homepage des Husserl-Archivs Leuven.

A. Mundane Phänomenologie

I. Logik und formale Ontologie (41 Konvolute)
II. Formale Ethik, Rechtsphilosophie (1 Konvolut)
III. Ontologie (Eidetik und ihre Methodologie, 13 Konvolute)
IV. Wissenschaftstheorie (22 Konvolute)
V. Intentionale Anthropologie (Person und Umwelt, 26 Konvolute)
VI. Psychologie (Lehre von der Intentionalität, 36 Konvolute)
VII. Theorie der Weltapperzeption (31 Konvolute)

B. Die Reduktion

I. Wege zur Reduktion (38 Konvolute)
II. Die Reduktion selbst und ihre Methodologie (23 Konvolute)
III. Vorläufige transzendentale Intentionalanalytik (12 Konvolute)
IV. Historische und systematische Selbstcharakteristik der Phänomenologie (12 Konvolute)

C. Zeitkonstitution als formale Konstitution

( 17 Konvolute)

D. Primordiale Konstitution ("Urkonstitution")

(28 Konvolute)

E. Intersubjektive Konstitution

I. Konstitutive Elementarlehre der unmittelbaren Fremderfahrung (7 Konvolute)
II. Konstitution der mittelbaren Fremderfahrung (die volle Sozialität, 3 Konvolute)
III. Transzendentale Anthropologie (transzendentale Theologie usw., 11 Konvolute)

F. Vorlesungen und Vorträge

I. Vorlesungen und Teile aus Vorlesungen (44 Konvolute)
II. Vorträge mit Beilagen (7 Konvolute)
III. Manuskripte der gedruckten Abhandlungen mit späteren Beilagen (1 Konvolut)
IV. Lose Blätter (4 Konvolute)

K. Autographe

I. Manuskripte vor 1910 (69 Konvolute)
II. Manuskripte von 1910-30 (5 Konvolute)
III. Manuskripte nach 1930 bis zur Krisisproblematik (33 Konvolute)
IV.-X. Abschriften von Randbemerkungen Husserls in den Büchern seiner Bibliothek

L. Bernauer Manuskripte

I. 21 Konvolute
II. 21 Konvolute

M. Abschriften...

von Manuskripten Husserls in Kurrentschrift bzw. Maschinenschrift, vor 1938 von seinen Assistenten in Freiburg ausgeführt:

I. Vorlesungen (4 Konvolute)
II. Vorträge (3 Konvolute)
III. Entwürfe für Publikationen (17 Konvolute)

N. Nachschriften

P. Manuskripte anderer Autoren

Q. Notizen Husserls in den Vorlesungen seiner Lehrer

R. Briefe

I. Briefe von Husserl
II. Briefe an Husserl
III. Briefe über Husserl
IV. Briefe Malvine Husserls (nach 1938)

X. Archivaria


[1] Vgl. hierzu H. L. Van Breda, Die Rettung von Husserls Nachlaß und die Gründung des Husserl-Archivs, in: Husserl et la Pensée Moderne/ Husserl und das Denken der Neuzeit, in: Phaenomenologica 2, 1959, 42-77.

[2] Quelle: R. Bernet /I. Kern/ E. Marbach, Edmund Husserl. Darstellung seines Denkens, Hamburg ²1996, 225-228.